EL DORADO – Curated by Herwig Kempinger
James Lee Byars, Gelatin, Mathieu Malouf, Franz West, Heimo Zobernig
Main gallery
Sep 9th 2025 – Oct 25th 2025



Exhibition Text

EL DORADO
curated by Herwig Kempinger

Point of Reference

Since the early civilizations, rulers have used golden symbols of power and insignia to express their worldly power and their political claim to the people. The metal thus symbolizes the claim to power of the son of the gods and his special position as king of the gods. In this tradition, US President Donald Trump has announced plans to turn Gaza into the golden “Riviera of the Middle East”.

Fragmented Subjectivity

Modern society leads to self-alienation and a loss of the personal dimension. This leads to a one-dimensional pattern of thought and behavior that rejects ideas, aspirations and goals that go beyond the established universe of discourse and action. At the same time, according to Foucault, this change in individualization has led to a sense of fragmentation and separation. New moral, ethical and spiritual systems have replaced traditional religious beliefs and must give people meaning and purpose in order to achieve authenticity and individuality. However, this process leads to the simultaneous coexistence of several different faiths.
According to Jannis Kounellis, there is no substitute for a religious center, and as a result, there is neither a standard for life in the present nor a direction for the future. The artists of the 20th century have reinterpreted the traditional meanings of gold in very different ways and reflected them in numerous, sometimes very different contexts.

Holy Shit

On a psychological level, shit has also been equated with a precious gift (money, gold), especially the first one we all excrete as babies. Once children grow up, their interest shifts from shit to money as the most precious gift in life. The alchemists of antiquity persistently tried to turn base elements into gold. In the 1960s, Piero Manzoni packaged his own excrements in small tin cans labeled Merda d’artista and sold them for their equivalent weight in gold.

At the Museum Boijmans Van Beuningen in Rotterdam in 2018, the Austrian artist group Gelatin demonstrated their alchemical craft in transforming the abysmal into art by planting four oversized piles of excrement made of clay in the museum. On the canal leading to the museum is a dwarf by Paul McCarthy with a butt plug and a little further on, right by the water, are Franz West’s sculptures Qwertz, sugar-colored sausages.

Ausstellungstext

EL DORADO
curated by Herwig Kempinger

Referenzpunkt

Seit den frühen Hochkulturen haben Herrscher goldene Machtsymbole und Insignien verwendet, um ihre weltliche Macht und ihren politischen Anspruch gegenüber dem Volk zum Ausdruck zu bringen. Das Metall symbolisiert so den Machtanspruch des Göttersohns und seine besondere Stellung als Gottkönig. In dieser Tradition hat US-Präsident Donald Trump Pläne geäußert, Gaza zur goldenen “Riviera des Nahen Ostens” zu machen.

Fragmentierte Subjektivität

Die moderne Gesellschaft führt zu einer Selbstentfremdung und einem Verlust der persönlichen Dimension. Dies führt zu einem eindimensionalen Denk- und Verhaltensmuster, das Ideen, Bestrebungen und Ziele ablehnt, die über das etablierte Universum des Diskurses und der Handlung hinausgehen. Gleichzeitig, so Foucault, hat dieser Wandel der Individualisierung zu einem Gefühl der Fragmentierung und Trennung geführt. Neue moralische, ethische und spirituelle Systeme haben die traditionellen religiösen Überzeugungen ersetzt und müssen den Menschen Sinn und Zweck geben, um ihre Authentizität und Individualität zu erreichen. Dieser Prozess führt jedoch zur gleichzeitigen Koexistenz mehrerer verschiedener Glaubensrichtungen.

Jannis Kounellis zufolge gibt es keinen Ersatz für ein religiöses Zentrum, und das hat zur Folge, dass es weder einen Maßstab für das Leben in der Gegenwart noch eine Richtung für die Zukunft gibt. Die Künstler:innen des 20. Jahrhunderts haben die traditionellen Bedeutungen des Goldes auf sehr unterschiedliche Weise neu interpretiert und in zahlreichen, teilweise sehr unterschiedlichen Kontexten reflektiert. Infolge einer zunehmend “materialistischen” Einstellung nahm das Interesse der Künstler:innen am Gold als Ausdrucks- und Bedeutungsträger wieder zu, und es konnte nun zum Träger von Ideen und auch zum Gegenstand der Kunst werden.

Heilige Scheiße

Auf der psychologischen Ebene wurde Scheiße auch mit einem kostbaren Geschenk (Geld, Gold) gleichgesetzt, vor allem die erste, die wir alle als Babys ausscheiden. Sind Kinder erst einmal erwachsen, verlagert sich ihr Interesse von Scheiße auf Geld als das wertvollste Geschenk im Leben. Die Alchemisten der Antike versuchten hartnäckig, unedle Elemente in Gold zu verwandeln. In den 1960er Jahren verpackte Piero Manzoni seine eigenen Exkremente in kleine Blechdosen mit der Aufschrift Merda d’artista und verkaufte sie für ihr äquivalentes Gewicht in Gold.

Im Museum Boijmans Van Beuningen stellte die österreichische Künstlergruppe Gelatin 2018 beim Verwandeln von Abgründigem in Kunst ihr alchemistisches Handwerk unter Beweis indem sie vier überdimensionale Kothaufen, geformt aus Lehm, ins Museum pflanzten. An der Gracht, die zum Museum führt, steht ein Zwerg von Paul McCarthy mit einem Butt-Plug und ein Stück weiter, direkt am Wasser, liegen Franz Wests Plastiken Qwertz, zuckerlfarbene Würste.